Seit ich Gespräche rund um „New Work“, Agile und Co führe, und das mache ich ja nun schon ein paar Jahre, wird am Ende immer eine Sache klar:

Zeitgemäße Zusammenarbeit, Unternehmensführung, Organisationsentwicklung ist anstrengend. Schmerzhaft, zeitaufwändig, kontinuierlich – und vor allem individuell. 

Es braucht eben gar keinen Trend, kein passendes Stichwort der Stunde. Sorry, wenn du hier etwas dazu lesen wolltest. Klar kannst du Bücher lesen, dich inspirieren, schulen und beraten lassen (das kann in der Reihenfolge sogar sehr klug sein), aber es ändert nichts daran, dass du für dein Unternehmen den schwersten, nämlich deinen eigenen Weg finden musst. 

Du musst dich und das Unternehmen gut kennen – Den Zweck, die Historie, gemachte Fehler, Talente (als Organisation und mit Blick auf die Mitarbeitenden), Stärken, aktuelle Probleme. 

Probleme, die ihr löst, und Probleme, die ihr euch dadurch eingehandelt habt. Und geht eine Lösung mit den vorherrschenden Strukturen überhaupt? 

Wie helfen Prinzipien, gesunder Menschenverstand, Tools, digitale Möglichkeiten, technischer Fortschritt dabei, deine Leute richtig zusammenzubringen? Für echte, sinnvolle Zusammenarbeit, für Fortschritt, für kreative Ideen?

Wie tief sitzen frühere BWL-Lehre, command-and control-Management Tipps und tayloristische Unternehmensvorstellungen?

Wie viele Trends, Vorgesetzte und gute Leute habt ihr in der Vergangenheit schon “verbrannt”? 

Wie gut kennt ihr euch? Und damit meine ich noch nicht einmal untereinander, sondern Jede*r für sich – Was ist denn zum Beispiel dein Antrieb? Was ist dir wichtig? Welche Strukturen wünscht du dir für deine tägliche Arbeit, welche Schwächen und Bedürfnisse hast du? Kannst du Unsicherheit aushalten? Welche Verletzung kannst du nicht loslassen? Welches Menschenbild hast du?  

Und genau diese Fragen zeigen eben auch, warum Achtsamkeit und Empathie als Buzzwords (vor allem für Führungskräfte) fast noch schlimmer trenden als New Work – Weil beide Fähigkeiten diesen Prozess des Erkennens stützen können. Verordnen kannst du das jedoch nicht.

Es geht um Organisationsentwicklung, nicht Personalentwicklung. Du willst Strukturen schaffen und verändern, nicht an deinen Leuten herumdoktern. Dabei stützen können natürlich neue Werkzeuge, Modelle und Co. – aber eben erst wenn ihr EURE AUSGANGSLAGE kennt. 

Verführerisch wirken da Versprechungen nach Schablonen wie Holocracy und Methoden wie WOL, die man ja vielleicht nur implementieren muss…doch am Ende schafft ihr euch so wahrscheinlich auch neue Probleme und zu feste Korsetts an. 

Es hilft alles nix: Ihr müsst euch hinsetzen und eure Hausaufgaben machen.